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Geheimnisse

„Du~huuu, Miles?“, Lilly saß auf Mileys Bett und blickte ihre Freundin mit Hundeaugen an, während diese sich langsam zu ihr drehte.
„Was ist?“, fragte sie irritiert über Lillys plötzliche Reaktion.
„Sag mal…da ich ja jetzt eh schon weiß, dass du Hannah Montana bist, darf ich jetzt endlich mal in deinen Schrank schauen? Das hat doch bestimmt was damit zu tun, oder?“
Miley seufzte, sie gab einfach nicht auf. Die Brünette konnte sich ganz genau vorstellen, wie Lilly reagierte, wenn sie das Innere ihres „Schrankes“ sah.
Leicht die Augen verdrehend – was Lilly mit einem leichten Schnauben abtat – ging sie rüber zu ihrem Schrank und öffnete die Tür. Lilly wollte schon vor Begeisterung laut ausrufen, doch dann sah sie nur einen großen Haufen an Kleidung an der Stange hängen.
Sie zeigte ungläubig auf den geöffneten Schrank.
„Und deswegen hast du dir so einen Aufwand gemacht? Mag sein, dass du mehr Klamotten hast, als wir Normalsterbliche, aber so besonders sind die nun auch wieder nicht, Miles.“
„Bist du so blöd oder tust du nur so?“, fragte Miley lachend. Sie schob die Kleidung auseinander, versperrte Lilly dabei allerdings die Sicht, welche nun schon den Hals reckte, um etwas sehen zu können.
„Was machst du da? Und wer ist hier die Blöde, huh?“
Miley trat einen Schritt zur Seite und Lilly hatte somit den perfekten Blick auf das, was sie spontan für die Schrankwand gehalten hätte.
„Das Hannah Montana-Emblem?“, sie stand auf und trat näher heran. Als sie das Ganze genauer betrachtete sah sie, dass es keine durchgehende Wand war, sondern eher zwei Hälften, die als eine Art Tor aneinander gereiht waren.
„Eine Tür?“, fragte sie leise und sah Miley an. Diese nickte.
„Mach sie auf.“
Lilly tat wie ihr geheißen und drückte die beiden Flügeltüren nach hinten. Sie konnte kaum glauben, was sie zu Sehen bekam.
Hinter Mileys Zimmer … war noch ein Zimmer. Exakt die gleiche Größe, wenn nicht sogar noch größer, gefüllt mit Allem, was sich ein Mädchen nur zu Träumen gewagt hätte. Der ganze Raum war aber und über bedeckt mit all dem, was Hannah Montana gehörte. Dort standen Schuhe in Massen, Accessoires, doch das Beste war der riesige, drehbare Kleiderstand, der voll war mit den tollsten Klamotten, die Lilly je gesehen hatte.
„Und…“, stotterte sie, „das ist alles deins, ja? Versteh ich das richtig?“
Miley schüttelte den Kopf.
„Halb halb. Natürlich ist es alles meins, aber eigentlich gehört es ja zu Hannah. Ich würde niemals wagen, etwas davon auf der Straße zu tragen.“
Lilly legte Miley eine Hand auf die Schulter und sagte mit gespielt mitleidigem Gesicht:
„Miles, du tust mir leid, ganz ehrlich.“, Miley schubste die Blonde daraufhin lachend von sich und fragte:
„Wie wär’s, wollen wir nachher zum Strand?“
Lilly Gesicht hellte sich sofort wieder auf und sie nickte.
„Wir waren ja lange nicht mehr schwimmen! Das letzte Mal vor zwei Wochen oder so.“

Lilly machte sich sofort auf den Weg nach Hause und zog sich ihren Bikini an. Es war für sie noch immer gewöhnungsbedürftig, aber Miley bestand darauf, dass sie ihn trug. Die Brünette meinte, dass sie endlich mal von ihrem Badeshorts-Trip runterkommen sollte.
Lilly seufzte. Okay, sie mochte Miley, aber die Shorts waren doch immer ihr Markenzeichen beim Surfen gewesen. Plötzlich bildete sich ein breites Grinsen auf Lillys Gesicht. Sie griff in ihren Schrank und zog ihre geliebten Shorts heraus.
„Sorry Miles, aber mich gibt es am Strand nicht ohne diese hier.“, sie zog sie sich einfach über den Bikini.
„Geht doch, gleich ein viel besseres Gefühl.“
Sie betrachtete sich noch einmal kurz im Spiegel und machte sich dann auf den Weg zu ihrem vereinbarten Treffpunkt.

-

„Mensch Miley, du bist zu spät! Ich warte schon eine Viertelstunde auf dich!“, Lilly war nicht wirklich wütend, immerhin war ihr noch Oliver über den Weg gelaufen, dennoch musste sie Miley zurecht weisen. Und es machte ihr Spaß, wirklich. So wie Miley die Hände vor ihrem Gesicht aneinander legte und sich ständig wiederholend entschuldigte.
„Und was ist deine Ausrede?“, fragte die Blonde.
„Uhm…na ja, ich wusste nicht, welchen Bikini ich anziehen sollte.“, Lilly verdrehte die Augen. Immer hörte sie das. Was war so schwer daran, sich für etwas zu entscheiden? Letzten Endes würde das Ding doch so oder so nass werden und an Glanz verlieren oder nicht?
„Und welchen hast du nun genommen?“, Miley zog sich die Bermudas und das Top aus und Lilly klappte fast der Mund auf. Okay, das Warten hatte sich gelohnt, auch wenn sie nicht recht wusste, warum sie das dachte. Sie wurde leicht rot um die Nase, was Miley allerdings nicht sah, da sie sich von oben herab noch einmal genau betrachtete. Als sie wieder aufsah, hatte sich Lillys Gesichtshitze wieder normalisiert und Miley schaute sie fragend an, als sie Lillys verdutztes Gesicht sah.
„Lilly, alles in Ordnung? Dein Blick wirkt so glasig.“, Lilly blinzelte und schaute Miley nun direkt an.
„Was? Oh ja, klar. Alles okay.“
Miley ließ nun ihren Blick über Lilly wandern und sie bemerkte, dass die Blonde schon wieder ihre Shorts trug. Anscheinend hatte sie den Bikini drunter, doch das reichte ihr nicht. Hatte sie sich nicht ordentlich ausgedrückt? Keine Shorts, Lilly!
„Lilly?“, fragte sie und Lilly, die sich zuvor dem Meer zugewandt hatte, drehte sich zu ihrer Freundin um.
„Was i-…MILEY!“, sie war in der Zwischenzeit an Lilly herangetreten und hatte die Hände an dem Bund der Shorts.
„Das wagst du nicht!“, rief Lilly.
„Und wenn doch?“, fragte Miley und grinste fies. Sie zog die Shorts herunter und lief Richtung Wasser. Lilly strampelte die Shorts nun ganz ab – dauerte nicht so lange, wie die Dinger wieder anzuziehen – und rannte Miley hinterher. Wie gut, dass sie so durchtrainiert war. Sie holte die Brünette im Handumdrehen wieder ein und klammerte sich an sie.
„Hab dich!“, flüsterte sie in Mileys Ohr. Diese hatte nicht damit gerechnet, dass Lilly sie so schnell zu fassen bekommen würde und stolperte. Da Lilly sich noch immer an ihr festhielt, fielen beide hin und landeten vornüber im Wasser.
Als sie wieder auftauchten und das Gesicht des jeweils anderen sahen, mussten sie lachen.
Im Großen und Ganzen war der Tag ein Erfolg. Das Wetter schlug nicht um – was sie auch verwundert hätte – und beide bekamen eine ordentliche Portion Sonne ab.

Gegen halb sechs waren sie alle beide so fertig, dass sie sich schnaufend auf ihre Decke fallen ließen, um einmal richtig durchatmen zu können.
„Gott, ich glaub meine Lunge ist voll mit Wasser.“, sagte Miley und hustete.
„Selbst Schuld. Wie du mir so ich dir. Hättest mich nicht runterdrücken dürfen.“, antwortete Lilly lachend und klopfte Miley sachte auf den Rücken. Sie grummelte daraufhin etwas Unverständliches vor sich hin und betrachtete wieder das Meer, welches durch den Schein der Sonne leicht glitzerte.
Doch dann fiel ihr Blick auf etwas, was sie schon seit Wochen irritierte.
„Sag mal, Lilly. Warum trägst du eigentlich immer dieses Schweißband?“
Lilly riss die Augen auf. Oh shit, nicht jetzt. Sie konnte es ihr nicht erzählen. Von da an wäre nichts mehr so wie vorher. Allerdings…kannte sie nun auch Mileys größtes Geheimnis. Die Brünette hatte ebensolche Ängste gehabt wie sie, dass sich alles ändern würde.
„Ich-…erinnerst du dich daran, dass ich dir mal gesagt habe, dass auch ich ein Geheimnis berge? Na ja, das wäre meins. Aber…ich kann es dir nicht erzählen. Tut mir leid…“, Miley sah, dass Lillys ganzer Gesichtsausdruck sich von der einen auf die andere Sekunde völlig verändert hatte.
„Lilly?“, fragte sie leise und wandte sich ihr komplett zu. Tränen bildeten sich in den Augen der Blonden, das hatte sie zuvor noch nie gesehen. Sonst wirkte sie immer so stark und selbstbewusst.
„Schon gut, du musst es mir nicht sagen.“, sagte sie, doch Lilly schien sich anders entschieden zu haben. Sie hob ihren Arm und legte ihre Hand um das Schweißband an ihrem Handgelenk. Die Angst vor Mileys Reaktion ließ sie innehalten. Doch dann spürte sie, wie sich eine andere, weiche Hand auf die ihre legte und sie sah auf. Miley lächelte sie aufmunternd an und es schien zu helfen, denn im folgenden Moment, schob Lilly das Band über ihre Faust und es landete auf der Decke. Lilly sah, wie sich Mileys Augen weiteten und blickte zur Seite. Dieser Moment währte nicht lange, denn schon ein paar Sekunden später hatte Miley ihre Hände auf Lillys Gesicht gelegt und drehte ihren Kopf zu sich. Auch als sie sich direkt in die Augen sehen konnten, ließ sie nicht von ihrer Freundin ab.
„Was ist da passiert?“, fragte sie und deutete mit einer leichten Kopfbewegung auf ihren Unterarm, der an der Stelle, an der vorher noch das Schweißband war, mit einer großen Narbe versäht war.
„Siehst du das denn nicht? Ich hab mich geritzt, na und?“
Miley drückte nun etwas fester zu und Lilly spürte den Druck auf ihrem Gesicht.
„Lilly, das sind Narben direkt an der Pulsader! Du hast dich nicht nur geritzt, das war ein Selbstmordversuch!“
„…“, Lilly antwortete erst gar nicht, sondern ließ ihren Tränen freien Lauf.
Miley konnte nichts weiter dagegen tun. Manchmal war das einfach die beste Möglichkeit, um den Schmerz vergessen zu machen.
Sie ließ von Lillys Gesicht ab und nahm die Blonde in ihre Arme. Wieder überkam sie dieses warme Gefühl, dass sie bisher nur bei der Blonden verspürt hatte. Sie strich ihr behutsam über die Haare, hörte immer wieder leise Schluchzer.
Lilly schien sich nach fünf Minuten ausgeweint zu haben und löste sich von Miley.
„Willst du…hören, was passiert ist?“
Miley schüttelte den Kopf und sah sie an.
„Nur, wenn du es mir auch wirklich erzählen willst.“, Lilly brachte ein gequältes Lächeln zustande.

 
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