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Simple Song

Miley zog sich in den nächsten Tagen immer mehr in ihr Zimmer zurück. Der Moment in der Signierstunde, in der Lilly plötzlich ihren Namen gesagt hatte, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Gott verdammt noch mal! Das Mädchen wurde von Hannah Montana, ihrem absoluten Lieblingsstar und Idol umarmt und sie dachte so sehr an ihre beste Freundin, dass sie sie mit ihrem Namen ansprach oder verstand sie da etwas falsch?
Lilly kam zwar noch regelmäßig abends zum Essen, aber dennoch sprach Miley nicht besonders viel mit ihr, was die Blonde natürlich irritierte.

An diesem Tag klingelte Mileys Handy mit dem Ton, den sie extra für Lilly ausgesucht hatte, damit sie immer genau wusste, wenn sie anrief.
Miley, die schon seit Stunden einfach nur auf ihrem Bett lag und die Decke anstarrte, starrte das Handy an. Sollte sie rangehen? Oder es vielleicht doch lieber lassen? Sie wusste es nicht und doch folgte sie ihrem Bauchgefühl und griff nach dem Gerät und nahm ab, kurz bevor Lilly auflegte.
„Dann eben ni-… oh, hey Miles.“
Miley schwieg.
„Ist irgendwas? Du benimmst dich schon seit Tagen so komisch? Was ist passiert?“
Miley seufzte und antwortete möglichst gelassen.
„Es ist nichts, Lilly. Ich will nur über etwas nachdenken…“
„Und deswegen verbarrikadierst du dich seit einer Ewigkeit in deinem Zimmer und kommst nur zum Essen runter? In der Schule bist du auch nicht gerade die Gesprächigste, weißt du?“
„Lilly, ich-…tut mir leid.“, sie drückte einen Knopf und beendete somit das Gespräch. Lilly blieb mit verwirrtem Gesichtsausdruck zurück blickte ungläubig ihr Handy an. Was war nur mit Miley los? Sie kannte sie jetzt seit etwas einem Monat; sie war zu ihrer besten Freundin geworden und dennoch konnte sie ihr nicht sagen, was sie bedrückte.
„Mensch Miley…“
Sie legte das Handy wieder auf ihren Tisch und knipste das Licht aus. Morgen war Samstag und sie würde definitiv bei den Stewarts vorbeischauen und Miley zur Rede stellen. Es war ihr egal, ob sie blockte oder nicht, irgendwas würde sie schon herausbekommen.
Sie legte sich auf den Rücken und betrachtete die Sterne, die sie durch ihre Glastür gut am Himmel erkennen konnte. Wenn ihr Wunsch in Erfüllung gegangen war, warum bereitete er ihr dann jetzt so viel Kummer?
Ihr Blick fiel auf einen Stern, der unter den anderen deutlich hervorstach. Er war größer und leuchtete viel heller als die vielen anderen um ihn herum.
„Fast wie Hannah. Der hellste Star am Himmel.“
Ihre Gedanken wanderten zurück zu dem Konzert und der darauf folgenden Signierstunde. Wieso hatte sie sich unter Hannahs Obhut so wohl und … vertraut gefühlt?
Sie erinnerte sich auch an Hannahs geschockten Gesichtsausdruck, als ihr aus Versehen Mileys Name rausgerutscht war. Die Ähnlichkeit wurde immer verblüffender. Als sie Hannah so von ganz Nahem gesehen hatte, waren es nicht nur die Augen, die Lilly so sehr an Miley erinnerten. Nein, sie könnte schwören, dass das ganze Gesicht… nein, unmöglich. Miley konnte nicht Hannah sein, auch wenn die Ähnlichkeit tatsächlich mehr als verblüffend war. Sie sprach ganz anders. Miley hatte da diesen Akzent, den sie aus Tennessee mit eingeschleppt hatte. Lilly liebte ihn über alles, es klang irgendwie niedlich. Hannah dagegen sprach ganz normal Englisch, kein Akzent.
Wie auch immer, sie war nun zu müde, um noch großartig darüber nachdenken zu können. Morgen würde sie Miley so oder so zur Rede stellen.

-

Miley war bereits früh wach gewesen und hatte Frühstück für ihren Vater und Jackson gemacht. Die beiden hatten so viel eingepackt, wie nur möglich, da sie an diesem Tag einen Angelausflug geplant hatten, bei dem sie die Nacht am See verbrachten.
Miley seufzte erleichtert. Endlich allein, niemand der sie mit Fragen belästigen würde, die sie ohnehin nicht beantworten konnte.
Sie stieg unter die Dusche und dachte weiterhin nach, wie so oft schon in dieser elenden Woche. Sie hob ihren Kopf und das Wasser lief ihr übers Gesicht. Warum dachte sie all diese Zeit nur über diesen einen Augenblick nach? Nicht dass es sie damals wirklich gestört hätte, nein, aber etwas irritierte sie, nur…was?

Als sie ein paar Minuten später fertig aus dem Bad ging, überkam sie irgendwie das Gefühl einen neuen Song zu schreiben. Sie setzte sich auf die Couch im Wohnraum und begann zu schreiben.
„Simple Song…“, schrieb sie und unterstrich die Worte, um damit den Titel zu signalisieren.
Etwa eine Stunde später war sie fertig und betrachtete grübelnd den Text. Nun fehlte nur noch die passende Melodie. Ihr schwirrte schon die ganze Zeit etwas im Kopf herum, worauf hin sie sich an den schwarzen Flügel setzte, vor dem all die Gitarren ihres Vaters standen und versuchte ihre Ideen zu ordnen und sie aufs Papier zu bringen.
Sie brauchte noch knapp zwei weitere Stunden und schon war ihr Werk vollendet. Sie konnte sich nur selbst gratulieren, denn sie hatte schon lange keinen Song mehr ohne die Hilfe ihres Vaters geschrieben.

Sie legte nun die Notenblätter auf das Klavier und ließ ihre Finger über die Tasten gleiten, bevor sie anfing, den Song einmal durchzuspielen.
Was sie nicht bemerkte war Lilly, die vor der Tür stand und gerade klingeln wollte, als sie sah, dass Miley am Klavier saß. Sie öffnete leise die Tür und trat ein paar Meter an Miley heran, noch immer mit genügend Abstand, um nicht sofort entdeckt zu werden. Doch darüber musste sie sich gar nicht erst Gedanken machen, denn Miley war von Anfang an so sehr in den Song vertieft, dass sie sich auch direkt vor sie hätte stellen können, ohne dass die Brünette etwas bemerken würde.

Lilly staunte nicht schlecht, als Miley anfing zu spielen. Sie hatte ihre Freundin vorher noch nie ein Instrument spielend gesehen. Sie hatte immer gedacht, dass es Robbie Ray war, der als dies beherrschte. Aber sie hatte sich geirrt. Miley war einfach atemberaubend. Der Blonden wäre beinahe ein Laut herausgerutscht, als Miley anfing zu singen. Nun gab es keine Zweifel mehr.

Wake up here I go, cram it
all down my throat
Stomach so full that I
wish I could choke
seven a.m. my heads already in a spin
as soon as I'm out that door
Bam hits me like a ton of
those red bricks
Can't dig myself out of
this highest ditch
This madness

I swear sometimes I can't tell
Which way is up, which way is down
It's all up in my face,
need to push it away
Some body push it away, so
all that I can hear
Is a simple song
Sing along now

La, la, la, la, la
La, la, la, la
La, la, la, la, la
La, la, la, la

Lilly trat noch näher an Miley heran. War das die Wirklichkeit? Wenn ja, hatte Lilly wirklich allen Grund sich zu freuen. Vor ihr saß ihr Idol, ihr geliebter Star Hannah Montana und sie, Lilly Truscott war die Erste, die diesen neuen Song zu Hören bekam. Sie fing vor Freude schon unterbewusst an zu Grinsen, welches sich nach der nächsten Strophe zu einem noch breiteren Lächeln vergrößerte.

Mid day, sun beating on the concrete
Burnin up my feet
Too many cars on the street
The noise, the red, the green
It makes me wanna scream
5 oclock now its, bumper
on bumper on bumper
Horns honking, nobody's looking
But everybody's talking
It's another day
On this Highway

I swear sometimes I can't tell
Which way is up, which way is down
It's all up in my face,
need to push it away
Some body push it away, cuz
all I wanna hear
Is a simple song
Sing along now

La, la, la, la, la
La, la, la, la
La, la, la, la, la
La, la, la, la Hey!

Sing along now
Sing along

What I'd give to turn it off
To make it stop, make it stop
Gotta make it stop
So all that I can hear
Is a simple song
Sing along now

La, la, la, la, la
La, la, la, la
La, la, la, la, la
La, la, la, la

La, la, la, la, la
La, la, la, la
La, la, la, la, la
La, da, da, da

Als Miley die letzten Noten gespielt hatte und einmal tief ein- und ausatmete, spürte sie plötzlich, wie sich zwei Arme und sie legten, was daszu führte, dass sie komplett außer Fassung geriet.

„Wer zum- … wie viel haben Sie gehört?!“
„Beruhig dich, Miley. Ich bin’s, Lilly.“, nicht ganz die Person, die Miley erwartet hätte, aber das half ihr jetzt auch nicht mehr. Lilly wusste es. Sie kannte ihr Geheimnis.
„Shit…du weißt es, hm? I-Ich hätte nicht gedacht, dass jemand vorbeikommt. Verdammt, ich sollte mir angewöhnen abzuschließen.“
Lilly lachte leise, das war doch jetzt auch egal. Sie wollte Miley einfach nur in den Armen halten, ihr so für alles danken, was sie ihr gegeben hatte. Nicht nur sie, auch Hannah.
„Danke, Miles. Ich danke dir und Hannah für alles, was ihr mir gegeben habt.“
Miley wusste, worauf die Blonde hinauswollte und drehte sich um. Sie sah ihr kurz in die Augen und umarmte sie dann ebenfalls.
„Ich wusste doch, dass du es bist. Solche Augen gibt es nur einmal auf der Welt. Aber der Song hat mich jetzt vollends überzeugt. Kommt er auf das neue Hannah-Album?“
„Wa-..? Achso, ja., schon möglich. Ich hab vorhin angefangen ihn zu schreiben, mir war irgendwie danach. Aber nun…jetzt ist meine Tarnung aufgeflogen…“
Miley drückte Lilly weg von sich und drehte sich um. Tränen stiegen ihr in die Augen, was Lilly nicht sah.
„Was wirst du nun tun? Es all den anderen sagen? Ihnen erzählen, dass du mit Hannah Montana befreundet bist…warst?“

Lilly blickte Miley erschrocken an. Wovon redete sie da?
„Was meinst du damit, Miles? Das Einzige, was sich nun verändern wird ist die Tatsache, dass ich jetzt ein geheimnis mehr über dich in Erfahrung bringen konnte. Ich werde niemandem etwas davon erzählen, so etwas würde ich dir niemals antun!“
„Versprochen?“
„Versprochen, hoch und heilig.“
Ehe sich Lilly versah, hatte Miley sie zurück in eine Umarmung gezogen, die ihr abwechselnd heiße und kalte Schauer über den Rücken laufen ließ. Was war denn nun los?
Lilly ahnte ja gar nicht, dass Miley zur selben Zeit genau das gleiche Erlebnis durchfuhr.
Was war da bloß zwischen den beiden entstanden?

Ohne es wirklich zu wollen, unterbrach die Blonde die Umarmung und schn Miley weg von sich. Sie spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht kroch und wandte ihr Gesicht von ihrer Freundin ab. Miley beobachtete das ganze Geschehen mit großem Interesse. Auch sie wäre am liebsten volle Kanne rot geworden, doch sie konnte sich beherrschen. Wer im Medienrummel überleben wollte, musste seine Gefühle unter Kontrolle haben, so war das nun mal.
Die Brünette lachte kurz und stand auf, wuschelte Lilly durch die Haare und flüsterte:
„Danke, Lilly. Ich hoffe ich werde dich nie wieder verlieren.“
„Kein Problem, Miles!“, rief Lilly der anderen zu, die gedacht hatte, dass Lilly das unmöglich gehört haben könnte, da sie schon ein paar Meter entfernt gewesen war.
„Ich wird dich auch nie wieder gehen lassen, ich hänge jetzt an dir, wie eine Klette!“, Lilly dachte ja gar nicht daran zu stoppen. Nein, jetzt würde sie Miley ärgern. Sie hatte also so wenig Vertrauen in sie gehabt, dass sie gedacht hatte, dass sie mit Hannah angeben könnte, dass sie ihr Geheimnis auffliegen lassen würde? So jemand war sie nicht und außerdem…war Miley ihr viel zu wichtig, als dass sie sie verlieren wollte.
 
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